Interview mit Nick Vercauteren 3/3

Veronika Bond Interview

Nicks neuer Gemüsegarten

Beginne mit dem Notwendigen, dann tu das Mögliche und plötzlich wirst du das Unmögliche tun.Franz von Assissi

Dies ist Teil 3 eines Interviews mit Nick Vercauteren. Nachdem er im Feuersturm im Oktober 2017 seine Quinta verloren hat, musste Nick wieder ganz von vorne anfange, seinen Gemüsegarten neu anlegen und neue Obstbäume pflanzen. Jetzt ist er bereits auf dem besten Wege sein kleines Paradies wieder wachsen zu sehen.

HP — Viele Leute kommen nach Portugal und wollen ihre eigenen Lebensmittel anbauen, doch nicht alle sind so erfolgreich wie du. Nahrungsmittel anbauen ist wie ein Handwerk, eigentlich eine Kunst. Dazu gehören Kenntnisse, Talent und Übung. Manche Leute haben es als ‚das höchste Kunsthandwerk‘ bezeichnet. Hattest du bereits Erfahrung mit Gemüseanbau, bevor du hierher gekommen bist?

Nick — Der Anbau von Gemüse kann für viele eine Herausforderung sein, denn viele meinen, man brauche dafür sehr viel Land. Doch in Wirklichkeit kann man auf sehr kleinem Raum recht viele Sorten anbauen, und Erfahrung ist natürlich unbezahlbar. Für einen Gärtner ist jedes Jahr anders und mit jedem Fehler, den man macht, lernt man etwas fürs nächste Mal.

Ich habe eine Weile in Thailand gelebt, und dort habe ich angefangen, ein paar Obst- und Gemüsesorten anzubauen: Paprika, Kürbis, Ananas und Papayabäume. In Thailand ist die Permakulturbewegung sehr verbreitet, und die Thailänder haben ihre eigene Art Lebensmittel anzubauen. So habe ich viel gelernt. Ich bin auch einige Jahre in Australien und Neuseeland gereist und habe dort als Voluntär auf Farmen mitgeholfen. Dort habe ich mit den Augen geklaut 😉

Doch natürlich kommt das meiste Wissen aus praktischer Erfahrung: Ausprobieren und Fehler machen in meinem eigenen Garten.

Hochbeete mit Kartoffelpflanzen

HP — Angenommen ein neuer Quintabesitzer — jemand für den Gemüseanbau völliges Neuland ist — würde dich um Rat fragen. Was würdest du ihm sagen. Gibt es irgendwelche Fehler, die du gemacht hast, die man vermeiden könnte?

Nick – Ehrlich gesagt, Fehler machen ist beim Gemüseanbau einer der besten Wege zum Erfolg. Wenn jemand seine eigenen Lebensmittel anbauen will und mich um Rat fragt, dem würde ich sagen, dass der Boden das Allerwichtigste ist.

Fang bloß nicht an zu pflügen und das Wurzelsystem im Boden zu zerstören. Sprich mit anderen Leuten, sammle Ideen auf dem Internet, lerne von anderen (zum Beispiel durch Besuche auf anderen Quintas), experimentiere und finde heraus, was für dich funktioniert. In den ersten Jahren habe ich zum Beispiel meine Kartoffel in die Erde eingegraben, so wie es meine Nachbarn gemacht haben. Dieses Jahr habe ich sie in Hochbeete gepflanzt, gefüllt mit Humus aus Pferdemist und pflanzlichen Stoffen, und sie gedeihen! Dasselbe mit meinen Möhren: im ersten Jahr waren sie kurz und verkrümmt wegen des steinigen Bodens. Jetzt wachsen sie im Hochbeet mit viel organischer Substanz.

Habe Spaß beim Experimentieren, und wenn du das Ergebnis siehst — glückliche Pflanzen und leckeres Gemüse — das ist der Lohn für die Arbeit. Es gibt viele Facebookgruppen, denen du beitreten kannst und wo du viel über den Anbau in Portugal und in unserer Gegend lernen kannst. Es gibt tolle Gruppen und Initiativen hier (z.B. Beira Grass Roots, The Humus Project).

Nick auf seiner Quinta

HP — Vielen Dank für das Kompliment! Sonst noch etwas, was du gerne sagen würdest?

Nick — Ich will nur noch eines sagen, und das ist mein Lieblingszitat von Franz von Assisi: “Beginne mit dem Notwendigen, dann tu das Mögliche und plötzlich wirst du das Unmögliche tun.”

HP — Ganz herzlichen Dank für dieses Interview, dein wertvolles Wissen und deinen Erfahrungsschatz. Und weiterhin viel Erfolg für dein kleines Paradies.

 

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