Interview mit Nick Vercauteren 2/3

Veronika Bond Interview

Kim und Nick in ihrem Gemüsegarten vor dem Feuer

“Mein Traum von einem kleinen Paradies ist wieder in greifbare Nähe gerückt.”Nick Vercauteren

Dies ist Teil 2 eines Interviews mit Nick Vercauteren. Nick und Kim haben in dem Feuersturm im Oktober 2017 ihre ganze Quinta verloren. Wir wollten wissen, wie sie sich von dem Verlust erholt haben.

HP — Was war für dich am härtesten? Was vermisst du am meisten?

Nick — Das härteste war für mich, dass meine ganze schwere Arbeit von den vergangenen Jahren einfach wie ausgelöscht war. Für mich und meine Frau war es hart, die Olivenbäume und schönen Orangenbäume schwarz und verkohlt zu sehen… Wir hatten auch 2 Zitronenbäume gepflanzt, als wir die Quinta neu gekauft hatten, und kurz vor dem Feuer hatten wir gerade unsere ersten paar Zitronen… Das war hart. Wir hatten die Hoffnung ein paar Lebenszeichen zu sehen, und ein Orangenbaum hat tatsächlich ein paar neue Sprossen — doch sie sind zu empfindlich, um in der Sommerhitze ohne den Schutz der Blätter überleben zu können.

Wenn ich mir Photos von unserem Land vor dem Feuer ansehe, das war hart und ist es immer noch, denn die Quinta und der Blick von unserem Land hat sich völlig geändert.

Doch ich habe auch die Chance gesehen, unsere Quinta und den Gemüsegarten ganz neu zu planen, mit den ganzen Kenntnissen, die ich in den vergangenen paar Jahren erworben habe. Mit jedem bisschen Grün und neuen Sprossen an den Bäumen kommt das Leben wieder, und ich spüre neue Hoffnung in mir aufsteigen.

Was ich am meisten vermisst habe, war der fruchtbare Boden, die obere Erdschicht, der Humus, den ich mit meinem Kompost angefangen hatte aufzubauen. Doch mit Hilfe unserer Freunde ist es mir gelungen, neue, bessere und größere Kompostsysteme zu bauen, um meinen Boden wieder zum Leben zu erwecken. Mein Traum von einem kleinen Paradies voller Leben, Obstbäume und Gemüse ist jetzt wieder in greifbare Nähe gerückt.

Der Gemüsegarten nach dem Feuersturm

HP — Manchmal sagen Leute, nach einem Feuer sei der Boden besser. Stimmt das deiner Erfahrung nach? War das ausreichend? Du hast bereits ein paar Dinge erwähnt, die du gemacht hast, um den Boden zu nähren. Kannst du noch etwas mehr dazu sagen?

Nick — Ehrlich gesagt, der Boden war nicht allzu schlecht, doch er brauchte mehr als bloß den Kohlenstoff, der vom Feuer zurückgeblieben war. Wie bereits erwähnt, die obere Schicht war vollkommen verbrannt, und kaum eine Spur der organischen Bodenschicht war übrig.

Mein erster Gedanke war: Ich werde mein Land nie wieder umpflügen. Dieser Boden braucht Ruhe.

Also habe ich meinen Boden ein halbes Jahr lang ruhen lassen, und die organische Substanz von dem Pferdemist habe ich obendrauf geschichtet — das ist eine wertvolle Quelle für Stickstoff, Bodenpilze und Bakterien — außerdem habe ich Laub von Eichen und Olivenbäumen aufgeschichtet und später den Sensenschnitt von Gras und wilden Blumen.

Nicks Gemüsebeete im Frühjahr 2018

HP — Nun sind sieben Monate seit dem Feuer vergangen. Die neue Gartensaison hat gerade erst begonnen, aber du erntest bereits Gemüse aus deinem Garten. Das ist ziemlich beeindruckend. Mir scheint, als hättest du innerhalb kürzester Zeit praktisch aus dem Nichts einen recht produktiven Gemüsegarten  geschaffen. Was wächst zur Zeit in deinem Garten? Was erntest du?

Nick — Ich habe verschiedene Sorten von Salat, Zwiebeln, Knoblauch, Radieschen, Basilikum, Tomaten, Mangold, rote Beete, Erdbeeren, japanisches Basilikum, Malabar Spinat, normalen Spinat, Krauskohl, Petersilie, griechischen Oregano, Paprika, Kartoffeln, chinesischen Knoblauch, Thymian, Rosmarin, Lavendel, Calendula, Bohnen……..

Die Liste ist noch viel länger. All das wächst zur Zeit in meinem Garten.

Im Moment ernten wir hauptsächlich Spinat, Bohnen und Radieschen. Der Winter hat sich dieses Jahr in die Länge gezogen, also waren Pflanzen und Ernten etwas verzögert. Aber ich bin mit den Ergebnissen soweit sehr zufrieden.

Fortsetzung folgt…

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