Humus, kleiner historischer Überblick

Veronika Bond Humus, Humus

photo: Austin D.

“Wir wissen mehr über die Bewegung der Himmelskörper als über den Boden unter unseren Füßen.”Leonardo da Vinci

Das Wort Humus ist seit über 2000 Jahren bekannt. Der römische Dichter Virgil (70 – 19 v. Chr.) benutzte es im Sinne von ‚Erde‘. Bald darauf wurde der lateinische Begriff durch terra ersetzt. Dies ist heute noch das gebräuchliche Wort für Erde im Portugiesischen.

Im 18. Jahrhundert tauchte das Wort Humus in Deutschland wieder auf. Albrecht Thaer, ein einflussreicher Arzt und Landwirt, verwendete es im Sinne eines Teiles des Bodens. Bis dahin wurde diese Substanz als ‘Moder’ bezeichnet. »Es ist die im Boden befindliche thierische und vegetabilische Materie, welche nach der Fäulnis der Thier und Pflanzenkörper als Humus zurückbleibt.« schrieb Thaer.

1925 war das Wort auch in anderen Ländern gebräuchlich. Der ukrainisch-amerikanische Mikrobiologe Selman Waksman schrieb: »Zu verschiedenen Zeiten wurden verschiedene Theorien vorgeschlagen, um den Ursprung der schwarzen organischen Substanzen zu erklären, die allgemein als ‚Humus‘ bekannt sind.«

Im Jahr 1924 sprach der österreichische Philosoph Rudolf Steiner in seinen Vorlesungen zur biodynamischen Landwirtschaft von Humus. Während er einen Bio-Bauernhof in Indien bewirtschaftete (1924 – 1931), entdeckte der englische Botaniker Sir Albert Howard, wie wichtig Humus für die Gesundheit und Fruchtbarkeit des Bodens ist.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts setzen biologische und biodynamische Bauern auf der ganzen Welt neue Humustheorien in die Praxis um. Sie erkannten, dass Agrochemikalien das Bodenleben zerstören und entwickelten neue Methoden zur Unterstützung der Humuserneuerung.

Die Substanz selbst gibt es natürlich bereits seit Millionen von Jahren. Der Planet Erde wird von einem sogenannten ‚Humus-Gürtel‘ umspannt. Dieser bedeckt große Gebiete in Osteuropa und Asien, erstreckt sich über nordamerikanische Prärien, taucht in Marokko wieder auf und verschwindet schließlich in der Sahara.

Moldawien und die Ukraine gelten als die ‘Wiege des Humusgürtels’. Bevor Menschen begannen, das Land zu pflügen, war der größte Teil von Moldawien mit schwarzem humusreichen Boden bedeckt, der oft 1 Meter tief war. Der unberührte Boden war für seine Fruchtbarkeit berühmt und produzierte eine reiche, üppige Vielfalt von Nutzpflanzen. Heute ist Moldawien das ärmste Land Europas, und der Humusgürtel ist beinahe verschwunden.

Als Reaktion auf die weltweite Bodenkrise sprießen heute überall neue Humus-Initiativen aus dem Boden. Sie regen zum ‘Anbau von Humus’ an. Das Humus-Projekt ist eine davon. Dass wir von ‘Anbau und Wachstum von Humus’ sprechen, bedeutet, wir haben begonnen, Humus als lebenden Organismus zu begreifen und zu behandeln.

Im Juni 2015 erklärte Ronnie Cummins (Direktor der American Organic Consumers Association) wir brauchen eine »riesige Graswurzelarmee von Erdregenerierenden: 3 Milliarden Kleinbauern, Dorfbewohner, Viehzüchter, Hirten, Waldbewohner, urbane Gärtner und bodenständige Gemeinschaften — unterstützt von mehreren Milliarden von bewussten Konsumenten und Aktivisten in den Städten.«

Humus gewinnt immer mehr Anhänger! Die Jahre 2015-2024 sind offiziell zum ‘Jahrzehnt des Bodens’ deklariert worden. Dadurch soll die Aufmerksamkeit auf fruchtbare Böden gelenkt werden, also auf humusreiche Böden. Allmählich wird Humus als Königin des Bodenreichs anerkannt.

 

Die Humusrevolution hat begonnen - willst du dabei sein?